Geschichtskurse besuchen Euthanasie Gedenkstätte

Am 12. Januar hatten wir 12er aus den Geschichtsleistungskursen die Möglichkeit, von den Euthanasiemorden im Nationalsozialismus zu erfahren. Bisher haben wir dieses Thema nur im Unterricht behandelt und keine Gedenkstätte besucht. Henning Bendler, ein Mitarbeiter der Psychiatrischen Klinik in Lüneburg, hat uns durch die Gedenkstätte geführt, Bilder von Opfern und Propagandazwecken erklärt und anschließend einen Vortrag über die Verbrechen im Nationalsozialismus bezüglich der Euthanasiemorde gehalten. Somit wurde uns ein schweres und emotionales Thema zugänglich gemacht, während das Unverständnis gegenüber der Handlungen der Täter wuchs.

Die unfassbare Grausamkeit von Menschen wurde uns besonders verdeutlicht, als Herr Bendler von den zahlreichen Morden an Kindern mit einer Behinderung oder psychischen „Störung“ sprach. Diese wurden mittels eines „Medikamentes“ ermordet, da der Wert eines Menschen anhand seiner gesellschaftlichen Fähigkeit bewertet wurde.

Die Eltern erfuhren dies meist nicht, da als Todesursache häufig eine Lungenentzündung angegeben wurde. Zusätzlich gerieten die Mütter vor allem während der Kriegszeit in Kontakt mit Offizieren und Mitarbeitern der Klinik, da die Behinderung ihrer Kinder zusätzliche Beanspruchung und Pflege benötigte. In diesen Fällen nahmen die Mitarbeiter die Kinder als „Patienten“ bzw. „Pflegefälle“ auf, damit sie unter diesem Vorwand aus der Gesellschaft „entfernt“ werden konnten. Es kam zu ca. 300 Todesfällen minderjähriger Kinder, während das Verbrennen der Leichen spätere Nachuntersuchungen bezüglich ihrer Todesursachen verhinderten. In einigen Fällen wurde vorher das Gehirn entfernt und nach Hamburg verschickt, damit unwissende Studenten dies als Probe für Untersuchungen nutzen konnten. Erst durch Nachfrage einiger Studenten wurde im Jahr 2008 recherchiert, woher die Gehirne stammen, bis herausgefunden wurde, dass es sich bei den Präparaten um Kindergehirne aus der „Kinderfachstation“ der Psychatrischen Klinik Lüneburg handelte. Auch nach Ende des Krieges wurden die Morde bis zum Herbst 1945 weiter begangen. In den 60er Jahren kam es allerdings zu einzelnen Gerichtsverfahren der Täter, wobei allerdings keiner verurteilt wurde. Die Gründe hierfür waren Ignoranz, „Schonen“ der Eltern bezüglich der tatsächlichen Geschehnisse und die fehlende Nachweisbarkeit der einzelnen Morde. 

Insgesamt wurden uns von Herrn Bendler die Geschehnisse im Nationalsozialismus näher gebracht, während wir anschließend die Möglichkeit bekamen, Kritik auszuüben und Fragen zu stellen. Die Art und Weise seines Vortrags war sehr beeindruckend, da er zusätzlich Bezüge zu jetzigen psychiatrischen Kliniken und unserer heutigen Gesellschaft und der Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen stellte. Diese Gedenkstätte ist für jeden zu empfehlen, der sich in dem Thema Euthanasie wenig informiert fühlt. 

Antonia

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Artikel aus den Fächern

„Die Nacht, in der die Mauer fiel“ - Renatus Deckert erzählt vom 9. November 1989

Am 15. Oktober berichtete Dr. Renatus Deckert vor Schülern, Lehrern und Eltern im voll besetzten Forum des Gymnasiums, wie Zeitzeugen in der DDR den Mauerfall erlebten und wie sie das Leben im sozialistischen Staat empfanden. Dazu gab er zunächst einen Einblick in den zeitgeschichtlichen Kontext, dem eine Lesung aus seinem Band Die Nacht, in der die Mauer fiel (Suhrkamp - / Inselverlag, 2009) folgte, in der zwei Geschichten bekannter Autoren zu diesem Thema vorgestellt wurden.

Die anschließende Diskussion klärte nicht nur Sachfragen, sondern führte auch zu einer sehr kontroversen und emotionalen Auseinandersetzung, die zeigte, wie wichtig für viele Zeitzeugen die Aufarbeitung der Lebenswirklichkeit der Menschen in der DDR ist und wie viele unterschiedliche Perspektiven es diesbezüglich gibt.

Die Schüler motivierte die Veranstaltung, den hier deutlich gewordenen Fragen nicht nur im Geschichtsunterricht, sondern auch im Gespräch mit weiteren Zeitzeugen nachzugehen.